Replik auf FAZ-Artikel zu Vitamin D-Mangel und Einnahme von Vitamin D-Präparaten

Am 28.04.2017 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Artikel, der die Angst vor Vitamin D-Mangel und besonders die Einnahme von Vitamin D-Präparaten kritisiert. Uns erscheint die Darstellung in Anbetracht der aktuellen Erfahrungs- und Forschungslage nicht ausreichend. Daher möchten wir die Faktenlage gerne im notwendigen Kontext abbilden, um eine mögliche Verunsicherung bei den Lesern zu reduzieren.

Wie sich ein Vitamin D-Mangel auswirken kann

Vitamin D reguliert die Calcium-Homöostase und den Phosphatstoffwechsel. Somit ist Vitamin D – eigentlich ein Prohormon – zuständig für die Knochengesundheit durch Mineralisierung des Knochens und für die Muskelentwicklung sowie die Muskelkraft.

Die gesundheitlichen Gefahren, die mit einem Vitamin D-Mangel einhergehen, sind bei Kindern Rachitis und über die ganze Alterspanne Osteomalzie, was eine Knochenerweichung bedeutet und mit der Rachitis im Kindesalter gleichzusetzen ist. Dann gilt natürlich auch die Osteoporose als Vitamin D-Mangelkrankheit. Bei der Osteoporose wird von einem Knochenschwund durch Abbau des Knochengewebes gesprochen. Bei diesen Krankheitsbildern ist die Ursache-Wirkungskette, die grundlegend für eine medizinische Evidenz Voraussetzung ist, gegeben.

Eine Überversorgung an Vitamin D führt zu Hypercalcämie, was wiederum zu Nierensteinen führen kann. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die WHO und andere Institute geben als Grenz- bzw. Interpretationswerte folgende Kennziffern vor:

Vitamin D-Konzentration im Blut
 

Die Versorgung in der Bevölkerung kann, wie es im Vortrag von Frau Ehlers dargestellt wird, wie folgt aussehen:

Versorgungsstatus Vitamin D
 

Nach dieser Faktenlage wissen wir, dass bei Kindern 20%, bei Erwachsenen ca. 18% und bei Bewohnern von Pflegeheimen über 60% an einem akuten Vitamin D-Mangel leiden. Dem FAZ-Artikel zufolge kein Grund, Vitamin D als Grundversorgung durch Ärzte zur Verfügung zu stellen, und schon gar nicht das Vitamin D zu „hypen“.

Vitamin D-Tests können Klarheit verschaffen

Bedenklich ist schon eine Aussage, nach der bei einem statistischen Mittelwert von über 50% Vitamin D-Mangel bei Senioren Vitamin D als Substitution nicht empfohlen wird. Noch bedenklicher finden wir, dass 20% unserer Kinder und Jugendlichen einen Vitamin D-Mangel aufweisen.

Wenn man darüber hinaus berücksichtigt, dass bei einem Definitionsbereich von über 20 bis 50nmol/L die Interpretation „unzureichend, keine Prävention von Frakturen und Stürzen“ zulässig ist, kann man zwar definitorisch von keinem Mangel sprechen, aber auch nicht von einer risikolosen Situation. Und daraus ergibt sich, dass letztlich keine 50% der Bevölkerung optimal versorgt sind. Oder wie das Robert Koch-Institut (RKI), das viele Untersuchungen zur Gesundheit der Bevölkerung für die Bundesregierung durchführt, aus dieser „unzureichenden“ Vitamin D-Versorgung mit <50nmol/L (RKI, Zugriff am 03.05.2017) folgert:

„Insgesamt wiesen 62 Prozent der Jungen, 64 Prozent der Mädchen sowie 57 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen Vitamin-D-Spiegel unter diesem Grenzwert auf“ (RKI, Zugriff am 03.05.2017).

Nach Bischoff-Ferrari et al. (2006) wurde schon bei Konzentrationen von weniger als 125nmol/L eine beginnende Abnahme der Knochendichte nachgewiesen. Nach Dahlquist, Dieter und Koehle (2015) sind für sportliche Leistungen im Ausdauer- und Kraftbereich Vitamin D -Werte im Blut von >100nmol/L förderlich.

Ein definierter Mangel ist gesundheitsgefährdend, eine unzureichende Versorgung birgt Risiken. MySelftest AG und auch andere Experten haben dies erkannt. Wir denken, dass auch eine unzureichende Versorgung vermeidbar sein sollte. Bei über 50% unzureichender Versorgung in der Bevölkerung ist das, was auf dem freien Gesundheitsmarkt an Information über Vitamin D stattfindet, kein „Hype“, sondern eine moralische Selbstverständlichkeit! Wir sorgen uns um Ihre Gesundheit, weil wir uns auch um unsere Gesundheit sorgen! Wir informieren und bieten Ihnen die Möglichkeit sich selbst zu testen. Sie entscheiden je nach Ergebnis, wie und was sie substituieren.

Reicht die Sonne für einen gesunden Vitamin D-Spiegel?

Nach Angaben des Bundesamtes für Risikobewertung werden 20% des Vitamin D-Bedarfs über die Nahrung zugeführt (bzw. können/sollten es). 80% werden dagegen selbst produziert, dadurch, dass man sich in der Sonne bewegt und sich den UVB-Strahlen aussetzt. Dies ist in der Regel nur begrenzt möglich, da man davon ausgeht, dass in unseren Breitengraden von November bis Februar der Einstrahlwinkel nicht ausreicht, um genügend Vitamin D zu produzieren. Dazu kommt noch, dass durch moderne Arbeitsbedingungen die wenigsten lange genug im Freien arbeiten oder die Zeit haben, in ihrer Freizeit täglich in die Sonne zu gehen. Kulturelle Bedingungen wie Hut, Kopftuch, lange Kleidung, Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor schränken die Möglichkeiten, UVB-Strahlen direkt auf die Haut einwirken zu lassen, ebenso ein.

Ergänzend sollte noch erwähnt werden, dass es eine Vielzahl von Krankheitsbildern gibt, die mit einem Vitamin D-Mangel zusammenhängen (korrelieren). Allerdings ist es mit dem Modell der Wissenschaft über Kausalität und Evidenz, über randomisierte und Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studien im Moment nicht oder nur sehr schwer möglich nachzuweisen, dass Darmsensibilitäten, ADHS, Depressionen etc. als Ursache bzw. Wirkung oder nur als negativer Begleitumstand mit einem bestimmten Vitamin D-Haushalt einhergehen.

Aus einer gesellschaftspolitischen Sicht sind wir auf einem guten Weg. Im letzten Jahrzehnt hat man Personen, die an Osteoporose leiden, noch gesagt, dass sie viel Milch trinken und Calcium substituieren sollen. Heute informiert man, dass Vitamin D zugeführt werden soll, damit die Calziumaufnahme überhaupt funktioniert.

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Dr. sportwiss. Ronald Burger ist Trainings- und Bewegungswissenschaftler und MySelftest-Experte für Bewegung, Ernährung, Sport, Leistung und Regeneration. Lehrauftrag für Trainingsmanagement am EC Europa Campus in Karlsruhe, Mannheim und Frankfurt. Lehrauftrag für betriebliches Gesundheitsmanagement an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg bis 2015, 22 Jahre Laborleitung am sportwissenschaftlichen Institut an der Johannes Gutenberg-Universität.

Literatur:

  • Bischoff-Ferrari, H. A., Giovannucci, E., Willett, W. C., Dietrich, T., & Dawson-Hughes, B. (2006). Estimation of optimal serum concentrations of 25-hydroxyvitamin D for multiple health outcomes. The American journal of clinical nutrition, 84(1), 18-28.
  • Dahlquist, D. T., Dieter, B. P., & Koehle, M. S. (2015). Plausible ergogenic effects of vitamin D on athletic performance and recovery. Journal of the International Society of Sports Nutrition, 12(1), 33.
  • Ehlers. A. (2013)  http://www.bfr.bund.de/cm/343/vitamin-d-der-aktuelle-d-a-ch-referenzwert-aus-sicht-der-risikobewertung.pdf
  • Robert Koch Institut (Zugriff am 03.05.2017) Vitamin D-Status in der deutschen Bevölkerung. https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesundAZ/Content/V/Vitamine/Inhalt/vitamind3_inhalt.html
  • Peikert, D. (Zugriff am 03.05.2017) Sonne statt Stoff. http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/vitamin-d-mangel-sonne-statt-tabletten-14983444.html.

 

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